Der Bordeaux-Jahrgang 2014

      DIE CABERNETS GEWINNEN GEGEN DEN MERLOT

      Momentan spricht man in der Weltwirtschaft sehr oft von Wechselkursen. Insbesondere vom Wert des Dollars und des Schweizer Frankens. Diese haben gegenüber dem Euro in den letzten Monaten deutlich zugelegt. Und genau dieser Währungseffekt könnte für den Bordeaux 2014 eine relativ wichtige Rolle spielen, denn die helvetischen und amerikanischen Weinhändler bezahlen den Bordeaux-Primeur in «Euronen». Also kann man hier von einem gewissen Währungsrabatt gegenüber den noch ausstehenden Preisen sprechen.

      Die Preise sind zwar bei einem Subskriptionsjahrgang nicht das Wichtigste, aber halt doch ein wichtiger Teil davon. Wenn die Qualität stimmt! Also nehmen wir jetzt das hauptsächliche Qualitätskriterium vorweg. Wie gut ist der Bordeaux 2014 und wo ist er im möglichen Vergleich anzusiedeln?

      ROTWEINE
      Das linke Ufer ist besser als das rechte! Will heissen; die Polka spielt im Médoc bei den wichtigsten Appellationen Saint Estèphe, Pauillac, Saint Julien und Margaux. Und somit natürlich auch in Pessac-Légonan. Also ist der Cabernet Sauvignon besser als der Merlot!

      Doch wenn es denn nur so einfach wäre… Betrachtet man einzelne Appellationen etwas genauer, dann sind auch hier markante Unterschiede zu vermerken. Besonders im roten Süden der Stadt Bordeaux. Die Weine Pessac sind unisono um eine ganz gewichtige Stufe besser ausgefallen aus die Crus aus der Region Léognan.

      Verlässt man das linke Ufer, um sich den Weinen aus dem Libournais anzunehmen, so ist der Jahrgang 2014 um eine recht grosse Nuance hinter dem Médoc & Co. anzusiedeln. Dies deshalb, weil der Merlot gegenüber dem Cabernet mit sehr vielen meteorologischen Nachteilen zu kämpfen hatte. Die Weine der Regionen Saint Emilion und Pomerol bestehen dominant aus Merlot. Aber nicht nur. Es gibt da auch Cabernets. Ja – nicht Cabernet, sondern Cabernets. Nach dem Merlot ist der Cabernet Franc eine ziemlich wichtige Rolle mit einem Bepflanzungsanteil von rund einem Viertel.

      Und es gibt da auch, besonders auf kiesigen Lagen etwas Cabernet Sauvignon. Zwar weniger als 10 % insgesamt, aber; wer hat der hat! Und diese beiden Cabernets spielten bei den bestbewerteten Weinen eine ganz wichtige Rolle.

      Die aufgezeigten Rebsortendifferenzen zeigen somit eine generelle Tendenz. Aber wenn es denn so einfach wäre, dann müsste man gar nicht so viele Weine degustieren. Doch der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Und mit Detail kann man jedes einzelne Weingut beziffern. Also lohnt es sich, diesen grossen Degustationsbericht auch im Detail zu studieren…

      WEISSWEINE
      Hier ist die Qualität grossartig. Und mittlerweile kommen schon fast alle Weissen im «neuen Stil» daher. Will heissen; feinpfeffrige Säuren, Agrumennoten im Extrakt. Und Frucht. Frucht. Und nochmals Frucht.

      Wie in den vergangenen Jahren werde ich meine Verkostungsnotizen zu den weissen Bordeaux’ nicht publizieren, jedoch im www.bxtotal.com aufschalten. Und das mehrere Gründe: Zum ersten verändern sich die Fassproben bis zur Flaschenfüllung in der Regel geschmacklich ganz deutlich. Oft sind diese Weissweine bei Primeurverkostungen genial und enttäuschen dann schon nach ein paar Jahren, infolge Mangel an Mineralik und daraus folgendem Fruchtverlust.

      Zudem erachte ich die bekannten Namen als (viel) zu teuer. Die Preise haben in den letzten Jahren dieselben Steigkurven wie die die Rotweine gemacht und liegen jetzt da, wo sie mit anderen Weltklasseweissweinen in brutaler Konkurrenz stehen. Sicherlich; ein weisser Domaine de Chevalier ein solider Wert mit besten Zukunftsprognosen. Wer ihn aber kaufen will, der findet reifere Jahrgänge zum «Sofortkauf» in genügender Menge im Handel.

      Aber einen weissen Pessac-Léognan werde ich heute dann heuer doch ordern. Das ist der weisse Fieuzal. Der war so gut, dass ich mir – am Ende eines grossen Verkostungstages – ein schönes Glas der genialen Fassprobe gönnte. Und was auch immer regelmässig bei mir im Weissweinkühlschrank liegt ist der Cygne de Fonréaud. Der kostet um die 25 Einheiten und macht in jedem Fall immer eine sehr gute Falle.

      SÜSSWEINE
      Da haben wir zwar nur die «Sweeties» aus Barsac und Sauternes verkostet. Aufgrund deren tollen Qualitäten werden auch die umliegenden Appellationen wie Cérons, Loupiac, Cadillac und Monbazillac wohl sehr spannend sein. Die Qualitäten sind in allen Sauternes-Grund-Regionen (Bommes, Fargues, Sauternes und Barsac) grossartig.

      Die Mengen waren klein bis extrem klein. Bei den Super-Weingütern spricht man von Erträgen um die 10 Hektoliter pro Hektare.

      Wer mit dem als positiv anzusehenden Gedanken spielt, sich da ein paar Flaschen oder Kisten zu kaufen, der muss sich zuerst für die Stilistik entscheiden. Denn noch selten waren die «körperlichen» Unterschiede zwischen dem Norden (Barsac) und Süden (Sauternes) so prägnant. Wer also einen filigranen, frischen, mineralischen, süssen Bordeaux sucht, der ordert sich beispielsweise einen Château Coutet. Wer bei seinen persönlichen Süssweinvorlieben einer Trockenbeerenauslese nicht abgeneigt ist, der setzt sich den Château Guiraud auf den Einkaufszettel.

      Mir persönlich liegt es seit Jahrzehnten am Herzen diese grossartigen, heroischen Süssweine zu proklamieren und zu zelebrieren. Wer keine süssen Bordeaux’ in seinem Keller hat, der vergisst, dass genau diese preislich heute immer noch sehr attraktiven Elixiere vor mehr als 150 Jahren die Lokomotiven des heutigen Gesamt-Bordeaux- Erfolges waren.

      JAHRGANGSVERGLEICH?
      Parallelen mit vergangenen Weinjahren sucht man immer. Das hilft jenen, welche keine Chance hatten diese noch im Fass liegenden Weine zu verkosten. Und da bin ich zum ersten Mal ziemlich ratlos. Das mag wohl am meteorlogischen Verlauf des 2014er liegen.

      Der Start war früh, die Blüte homogen. Doch dann kam ein extrem kalter Sommer, welcher den Vorsprung mehr als rückgängig machte. Das grosse Problem kam mit der «Veraison». Der Wechsel von der grünen zur blauen Beere verlief sehr schleppend und extrem unterschiedlich. Der Önologieprofessor Denis Dubourdieu spricht in solchen Fällen von Harlekintrauben. Von Grün über Rosa, zu bläulich bis Violett – alles an einer Traube. United Colours of Bordeaux also!
      Dann kam dieser unglaubliche, indische Sommer übers ganze Bordelais und die Winzer konnten sorglos zu warten und «à la Carte» pflücken. Ohne diesen extrem sommerlichen Herbst wäre der Bordeaux 2014 zu einem veritablen Fiasko geworden.

      Vom Geschmack her kann man die Cabernet-lastigen Weine als «klassisch» bezeichnen. Achtung! Mit klassisch meine ich nur den nasalen Duft und den Gaumengeschmack. Das heisst; würzig, floral, blau- bis schwarzbeerig. Generell ist da viel Aroma drin. Hier wären möglicherweise Parallelen mit den Jahrgängen 2001, 2004 und 2006 angesagt.

      Spricht man in Bordeaux aber von Klassik, so sind meist die verlangenden, muskulösen Gerbstoffe gemeint. Und hier bilden die 2014er-Gerbstoffe eine bedeutend mildere, respektive reifere Variante. Die Tannine sind extrem ausgeglichen und wohl proportioniert. Diese verbinden sich mit den Säuren und dem Extrakt und bilden in den besten Fällen eine unglaubliche Harmonie im Körper.

      Die Top-2014 sind (bei viel Aromatik) meist schon sehr elegant und werden wohl schon recht früh viel grossen, qualitativ hochstehenden Spass vermitteln. Beim Körpervergleich würde ich vielleicht bei einem Vergleich in der Mitte zwischen 1998 und 2005 ansetzen.