Der Bordeaux-Jahrgang 2013

      So wenig war schon lange nicht mehr los während den offiziellen Primeur-Verkostungen. Dies merkte man besonders bei den Präsentationen der Union des Grand Crus. Zuweilen waren mehr Kellermeister und Châteaubesitzer präsent – wie Degustationsinteressierte. Viele Weinhändler und Journalisten sind schon gar nicht erst in den Flieger gestiegen, denn dem Bordeaux 2013 ging schon im Vorfeld ein schlechter Ruf voraus.

       

      Wenn man die meterologischen Vorgaben genauer studiert, dann war das Fiasko vorprogrammiert. Ein kalter Winter mit viel Regen und wenig Sonne. Verrieselung der Blüten, Mehltau im Frühling. Der Sommer wäre ideal gewesen, doch bevor die Trauben richtig reif waren, mussten fast alle Winzer ernten,denn der warme Herbst bescherte eine galoppierende Fäulnis in den Rebbergen.

       

      Doch ist Bordeaux nicht gerade in den letzten Jahren durch ein bemerkenswertes Katastrophen- Management bekannt geworden? Wann bitte, haben die denn die Bordelaiser Winzer letztmals einen wirklich schlechten, untrinkbaren Jahrgang abgeliefert?

       

      Zugegeben, der Bordeaux 2013 ist kein grosser Wurf. Aber – es gibt keinen generellen Qualitätsbefund in schwierigeren Jahren. Nur umgekehrt! Wenn ein Jahrgang gross ist, dann kann man praktisch alles kaufen. In kleinen Jahren ist es meist eine Terroirfrage. So gesehen ist es heuer nicht nur ein Jahr des Terroirs, sondern ein Millesime der Superterroirs.

       

      MERLOT ODER CABERNET?

       

      Und welche Rebsorte hat denn nun das Handicap-Rennen gewonnen. Es ist ganz sicher kein Merlotjahr. Denn der Merlot hat unter den klimatischen Bedingungen am meisten gelitten. Also schlägt der Cabernet Sauvignon den Merlot? Auch nicht. Mit zu wenigen Ausnahmen sind die Cabernet-Sauvignons von tendenziell mittelgewichtiger bis oberflächlicher Bauart. Und aus diesem Grund habe ich dann auch den Überbegriff des «modernen Clarets» gewählt um die besseren Grand-Crus des Médocs etwas näher zu definieren.

       

      Am besten sind die Petit Verdot’s (linkes Ufer) gelungen, gefolgt vom Cabernet Franc (rechtes Ufer).

       

      MODERNE CLARETS

       

      Sicherlich wird heute ganz anders vinifiziert wie früher. Und die Tannine haben eine ganz andere Qualität wie früher. Dazu führten eine dichtere Bepflanzung (mehr Reben pro Hektar – aber weniger Trauben pro Rebe). Ein wesentlich niedrigerer Ertrag und die Deklassierung von allem, was eben nicht in den Grand Vin gehört.

       

      Ganz früher waren gute Jahre solche mit viel Säure und mit vielen Gerbstoffen. Doch – es gab damals fast keine Möglichkeiten die Temperatur bei der Vergärung zu Regulieren.

       

      Von einer Kaltmazeration vor der Vergärung schon gar nicht zu sprechen. Also vergärten die Winzer damals schier unkontrolliert um vier bis fünf Grade höher als heute und hielten sich dafür mit den nachfolgenden Mazerationen zurück, um die Tannine nicht auszukochen. Mit mehr oder weniger Erfolg. Das Produkt, war ein relativ bekömmlicher Bordeaux mit einer eher hellen Farbe. Die grössten Abnehmer waren die Engländer. Und wenn die Briten im Restaurant Bordeaux bestellten, dann orderten diese einen Claret.

       

      Wenn ich hier beim Bordeaux 2013 mit dem Begriff vom «modernen Claret» auffahre, dann ist es einerseits die leicht hellere Farbe als bei den Jahrgängen 2011 und 2012. Und es ist vor allem der Umstand, dass sich kluge Winzer mit den Mazerationen zurück hielten. Dies, um die in der Regel nicht vollständig ausgereiften Gerbstoffe (vor allem jene in den Kernen) möglichst sanft in die eher leichteren Weine zu integrieren.

       

      KEINE ALKOHOLBOMBEN

       

      Bei den Jahrgängen 2009 und 2010 gab es viele ärgerliche Unkenrufe, ob der Bordeaux denn das nötig hätte mit so viel Alkohol (gewisse Werte lagen über 15 Vol. %) aufzuwarten. Das sei doch Sache der New-World-Weine. Nun – das war damals eine Vorgabe der

      Natur. Und das war schon früher immer so in Ausnahmejahrgängen. Der Cheval-Blanc 1948 stand beispielsweise mit 15,1 Vol. % in den akribischen Aufzeichnungen des damaligen Kellermeisters. Jetzt haben die Winzer wieder drei klassische Jahrgänge mit ganz normalen Alkoholwerten im Angebot. Château Latour deklariert beispielsweise heuer einen Wert von 12.36 Volumen-Prozenten.

       

      NICHT SUBSKRIBIEREN? SOLL MAN DEN BORDEAUX 2013 LINKS LIEGEN LASSEN?

       

      Jein! Es gibt ein paar wenige, fantastische Weine. Die Mengen sind zum Teil extrem klein. Wer bei den allerbesten Crus nicht zugreift, der wird später fast keine Chancen haben, an ein paar Flaschen heran zu kommen. Meist ist es eine halbe Menge Grand Vin gegenüber normalen Jahren. Es wird kein Problem sein für die 9'000 Flaschen Ausone einen Käufer zu finden. Auch nicht für die 20'000 Flaschen Pichon-Lalande oder für die 15'000 Les Carmes Haut-Brion u.s.w.

       

      Trotzdem hat der Jahrgang 2013 wenig Spekulatives an sich. Die Preise werden ähnlich wie jene der Jahrgänge 2011 und 2012 sein. Und diese liefen zu Beginn schleppend bis gar nicht. Es sind da zu wenige Punkte-Lokomotiven und der weinige Zug ist viel zu lang.

       

      Es zeigt sich aber auch, dass es praktisch keine Zwischenjahrgänge mehr gibt. Entweder stürzen sich alle auf die Subskriptionsofferten und sind bereit fast jeden Preis zu zahlen. Oder ein Jahrgang macht sich erst nach ein paar Jahren, wenn er dann auf den Markt kommt. Da hat der Kunde dann auch die Möglichkeit selbst zu probieren, was er kauft. Aufgrund des Überangebotes der unverkauften Weine bleiben die Preise lange Zeit unverändert. Jüngsten Beispiel; der Jahrgang 2011 kommt bei den Bordeauxfreaks momentan sehr gut an und die Angebote der Topweine schrumpfen merklich.

       

      Réne Gabriel, April 2014