Le millésime 2012

      La traduction suivra bientôt.

       


       

      Der Bordeaux 2012: Merlot & Terroir


      Von René Gabriel: www.bxtotal.com
       
      Von 19-Punkten abwärts ist alles möglich! Heisst; es gibt beim aktuellen Primeur-Jahrgang keinen einzigen Wein, welcher die Maximalnote erhielt. 17 Spitzenweine erreichten die Wertung von 19/20. Handelt es sich also doch um einen ziemlich grossen Jahrgang?


      Jein! Denn, wenn ich meine 19-Punkte-Kategorie in die drei in Bordeaux-Grundkategorien aufsplitte, dann komme ich auf eine Unglückszahl. Es sind 13 Rotweine! Die vier Weissweine sind alle trocken und stammen alle aus Pessac-Léognan. Die grossen Gewinner vom letzten Jahr, die Sauternes, sind heuer – aufgrund der schwierigen Wetterkonditionen – die Verlierer.

      Dass es zwar ein sehr guter, aber doch normaler Bordeaux-Jahrgang wird, dafür sorgten die Wetterverhältnisse. Hier ein Abriss im Telegrammstil: Trockener Winter - der kälteste Februar seit 50 Jahren - April mit intensiven Regenfällen - Mai und Juni sehr wechselhaft - ab Mitte Juli bis Mitte September extreme Trockenheit - besonders der August so trocken wie schon Jahrzehnte nicht mehr - ab September warm und feucht - Probleme mit Mehltau - Fäulnisgefahr der Trauben vor der Ernte – die Ernte erfolgte nicht selten während dem immer wieder kehrenden Regen!

      Also lag es am Winzer, das bestmögliche aus diesem meteorologischen Fuchs- und Hasenspiel heraus zu holen. Also werden viele Journalisten zum x-ten Mal die Melodie von einem «Jahr des Winzers» trällern. Doch das ist eine uralte Floskel. Und die gilt für mich schon lange nicht mehr. Ein Winzer kann nichts dazu gewinnen, nur verlieren. Es muss im richtigen Moment die richtigen Entscheide treffen.

      Zweite Frage, wer ist denn bitte der «Winzer»? Der Châteaubesitzer? Der Direktor? Der beratende Önologe? Der Chef du Culture? Oder meint man damit gar den Maitre de Chais? Je grösser ein Weingut ist, desto schwieriger wird es – in gewissen Fällen – überhaupt richtig reagieren zu können. Beispiel 2012, am linken Ufer (ganzes Médoc und Graves-Gebiet): Da es Anfangs Oktober zu warm war und es vor Beginn der Haupt-Cabernet-Ernte zu regnen anfing, galt es die restlich Trauben so schnell wie möglich in den Keller zu bringen. Sämtliche Châteaux suchten alle im selben Moment fieberhaft nach Erntehelfern. Bei den schwächeren Châteaux wurde die Ernte der knapp reifen oder noch etwas unreifen Trauben verregnet. Folge: Verdünnte Weine mit grünen Spuren. Nicht selten verwendete ich bei der Beschreibung das Wort «Eucalyptus», also haben nicht wenige Rotweine heuer einen leicht chilenischen Touch in deren Grundaromatik. Das ist dann immer noch viel besser wie dort wo die Begriffe «vegetal» oder «Geraniol» bei der Aromenbeschreibung als Attribute auftauchen.

      Insgesamt braucht sich der Bordeaux 2012 ganz und gar nicht zu schämen. Für das durchaus positive Erscheinungsbild sorgt eine recht grosse Anzahl von sehr gut bewerteten Weinen. Wie schon erwähnt sind es 17 Weine mit 19-Punkten, dann 86 Weine mit 18-Punkten und 182 Weine mit 17-Punkten!  

      TERROIR-JAHR AM LINKEN UFER
      Und jetzt kommt der Aspekt des Terroirs zum Tragen. Je frühreifer das Terrain, desto reifer war der Cabernet Sauvignon. Den frühesten Vegetationsstand haben immer Château Haut-Brion und Château Latour. Somit sind die beiden Weingüter für meine Behauptung, dass der Jahrgang 2012 unter anderem ein Terroirjahr ist, logischerweise als Favoriten gesetzt. Von den insgesamt 13 Weingütern, welche die besten Jahrgangsnoten (19/20) erhielten sind gerade Mal fünf Châteaux vom linken Ufer.   

      MERLOT-JAHR AM RECHTEN UFER
      Acht Weingüter vom Libournais haben es in die Top-Favoriten geschafft. Somit sind diese in aber Überzahl. Die allerbesten Weine (7 Châteaux) kommen aus den Pomerol. Bis auf ein Weingut sind es alles populäre, also sehr bekannte Crus. Und alle liegen auf dem berühmten Plateau. Dort war der Merlot absolut sensationell. Also ist der Bordeaux 2012 definitiv auch ein Merlotjahr! Ein einziges Weingut aus Saint Emilion ist da auch mit dabei. Aber, es ist kein A-Premier! Denn diese sind ja in der Regel in hälftiger, oder zumindest ergänzender Form auf den Cabernet Franc angewiesen. Und der war heuer leider ein reduzierter Qualitätslieferant. Also zusammengefasst;  die Besten kommen aus Pomerol und einer aus Saint Emilion. Und der ist kein Blend, sondern ein 100%iger Merlot!

      BEKANNTE ENTTÄUSCHUNGEN
      Ja und da gibt es noch eine kleine Kartei mit neun Weinen mit absolut schwachen 15-Punkten. Natürlich gäbe es viel mehr Weine mit dieser knappen Bewertung. Bei mir sind das aber nur eher bekannte Châteaux, welche den schwarzen Peter bekommen haben. Ich reihe diese hier auf, weil es durchaus bekannte Namen sind. Und die haben es alle in die weniger schmeichelnde Nicht-Kauf-Kategorie geschafft. Und damit Sie diese Weine nicht fälschlicherweise ordern, seien diese hier an den Gabriel-Pranger gestellt: La Tour de By, Cantemerle, Citran, Coufran, Cap-de-Mourlin, Clos de Sarpe, Couhins-Lurton und Olivier in rot und Suau in süss.

      P ODER P: KAUFEN – NICHT KAUFEN?
      Es gibt zwei Haupt-Argumente Bordeauxweine «en primeur» zu kaufen. Entweder sind es die Punkte oder der Preis. Ein paar Beispiele:
      a.)    bei Jahrgängen 2009 und 2010 hagelte es nur so von ausufernden Bewertungen. Also stimmten die Punkte in erster Linie und die Preise in zweiter Linie. Wenn überhaupt!
      b.)    bei den Jahrgängen 2004 und 2008 stimmte der Preis in erster Linie und die Bewertung in zweiter Linie. Beide P’s waren da sehr nahe beieinander – also ein sehr guter Kauf!
      c.)    Beim Jahrgang 2011 stimmten weder der Preis noch die Punkte. Resultat: ein Mega-Flop


      Und genau hier liegt die ganz grosse Chance des Bordeaux 2012. Die Qualitäten der besten Rotweine liegen über dem Bordeaux 2011. Die Preise werden deutlich darunter liegen. So genau weiss ich das noch nicht, aber die Bordelaiser können es nicht mehr leisten, wieder auf einem zwar guten, aber nicht spekulativ hoch bewerteten Jahrgang sitzen zu bleiben. Momentan spielt jetzt grad der lethargische Blues an der Gironde und die önologische Börse hat gewaltig ausspekuliert. Wenn der Bordeaux 2012 im Markt Erfolg haben will, dann müssen die Preise so nah wie möglich an die Primeur-Lancierungen des Bordeaux-Jahrganges 2008 fallen!

      WENN KAUFEN – WAS KAUFEN?
      Das ist heuer a.) eine Budgetfrage und b.) eine Terroir- oder Merlot-Frage. Ganz sicher ist der Bordeaux 2012 für jene Kunden geeignet, welche bei den Jahrgängen 2009 und 2010 die Faust im Sack machten. Dies könnte aus zwei Gründen der Fall gewesen sein: a.) wegen den exorbitanten Preisen oder b.) wegen den unglaublich hohen Alkoholwerten.