Bordeaux-Subskription 2020 – frühe Terroirs, perfekter Lesezeitpunkt

        Unter Bordeaux-Experten ist man sich einig: 2020 reiht sich in die Riege der Topjahrgänge ein. Welche Faktoren waren dafür verantwortlich, und welche Appellationen haben von den Wetterbedingungen profitiert?
        Tjark Witzgall, Product Manager Bordeaux.

        Nach einem milden Winter, der das Doppelte an Regen des Jahresdurchschnitts brachte, folgte ein warmer und trockener Frühling, der die Reben schnell wachsen liess. Die Blüte fand noch unter perfekten Bedingungen statt, doch mit den heftigen Regenfällen Anfang Juni stieg die Gefahr, durch den Mehltau Ernte zu verlieren. Danach drehte das Wetter vollkommen und es blieb bis auf wenige regnerische Abschnitte im August bis Ende September trocken. Seit 1959 war es wohl nie mehr so lange trocken, was kein schlechtes Omen sein dürfte, denn damals hatten wir es mit einem Jahrhundertjahrgang zu tun.

        Die Sieger des trockenen Sommers
        Diese lange Trockenperiode machte den Lesezeitpunkt zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Liest man zu früh, sind die Trauben noch nicht reif, liest man zu spät, sind sie überreif und der Alkoholgehalt resultiert zu hoch. Die Regionen, in denen früher gelesen werden konnte, waren 2020 klar im Vorteil. Entscheidend war aber auch das Terroir. Auf den Lehm- und Kalksteinböden war eine gute Wasserversorgung das ganze Jahr über gesichert. Eine Appellation, die hiervon besonders profitiert hat, und daher als wahrer Geheimtipp gilt, ist Fronsac. Böden aus Sand und Kies konnten das wenige Wasser hingegen schlechter speichern und waren deshalb benachteiligt.

        Stephan von Neipperg, unter anderem Besitzer vom Château Canon-la-Gaffelière, fasst den Jahr-gang wie folgt zusammen: «Die Trauben haben weniger Saft und mehr Schale – also viel Struktur und Konzentration.» Um das Optimalste aus den Trauben herauszuholen und die Tannine bei Merlot und Cabernet Sauvignon etwas zu reduzieren, galt es die Schalen möglichst kurz auf dem Saft zu lassen. Der Alkoholgehalt ist generell niedriger und die Mengen fielen geringer aus als 2019.

        Unvergleichlich oder besser?

        Die Frage, mit welchem früheren Jahrgang die Weine vergleichbar sein könnten, wird immer schwieriger. Professor Axel Marchal von der Universität Bordeaux plädiert dafür, die Persönlichkeit jedes einzelnen Weins zu berücksichtigen, statt generelle Jahrgangsvergleiche anzustellen:

        Jeder Jahrgang ist einmalig. Die klimatischen Bedingungen, die aktuell von starken Ereignissen geprägt werden, neigen dazu, lokale Unterschiede zu verschärfen.

        Unseren Bordeaux-Spezialisten Tjark Witzgall erinnert der neue Jahrgang stark an den klassischen Jahrgang 2016, jedoch mit einer reiferen Ausprägung. James Suckling spricht zusammen mit 2018 und 2019 von einer Trilogie aus herausragenden Jahrgängen, wobei 2020 besser als 2018 und mindestens so gut wie 2019 sei.

        Gerne stellen wir Ihnen drei persönliche Favoriten von Tjark Witzgall, Product Manager Bordeaux, vor:

        Château de Fieuzal, der Shootingstar aus Pessac-Léognan AOC

        Der Weisswein Fieuzal ist schon lange in der Topliga der Pessac-Léognans vertreten. Jetzt hat es auch der Rotwein geschafft – dank der Lese zum perfekten Zeitpunkt. Ein Muss für jeden Bordeaux-Fan!

        2020 Château de Fieuzal Grand Cru Classé Pessac-Léognan AOC


        Château Pichon-Comtesse, der Dauerbrenner aus Pauillac AOC

        Keine andere Appellation hat so viele Premier-Grand-Cru-Classé-Lagen wie Pauillac. Der Wettkampf unter den Châteaux ist entsprechend hart. Seit Nicolas Glumineau als Direktor für Pichon-Comtesse verantwortlich ist, lässt sich der Höhenflug nicht mehr stoppen.

        2020 Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande 2e Cru Classé Pauillac AOC


        Château Lagrange, der Geheimtipp aus Pomerol AOC

        Die besondere Lage des Pomerols macht die Appellation zur Gewinnerin des Jahrgangs. Wenn
        man dann auch noch den perfekten Lesezeitpunkt erwischt, hat man alles richtig gemacht – wie beim Château Lagrange.

        2020 Château Lagrange Pomerol AOC

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