Wein, Alternativen, Genuss

Der Januar war trocken, das Glas blieb leer – und nun? Ein Plädoyer für entspannten Genuss ohne Dogmen: mit guten Weinen, cleveren Alternativen und der Erkenntnis, dass Lebensfreude selten schwarz-weiss ist.

Der Kalender zeigt Februar, und das Weinglas rückt wieder leise ins Blickfeld. Hinter uns liegen Wochen, in denen Mineralwasser, Kräutertee und neu definierte Rituale den Ton angaben – eine wohltuende Auszeit nach den Festtagen, die überraschend leichtfiel. Viele haben erlebt, dass ein Apéro auch ohne Prozente seinen Reiz behält und Gespräche ganz von selbst in Schwung kommen. Doch nun stellt sich die Frage: Bleiben wir abstinent wie ein Mönch im Rebberg oder finden wir einen neuen, gelasseneren Umgang mit dem Genuss?

  • Eine Frage der Balance

    Die gute Nachricht zuerst: Genuss kennt mehr als zwei Gänge. Zwischen «nie wieder Alkohol» und «Schenk nach» liegt ein breites, wunderbar begehbares Mittelfeld. Gerade Weinfreunde entdecken nach dem trockenen Monat oft eine neue Sensibilität. Ein Glas wirkt wieder intensiver, Aromen springen förmlich aus dem Kelch, und man merkt, wie viel Handwerk in einem guten Tropfen steckt. Qualität schlägt Quantität, eine Erkenntnis, die man ruhig feiern darf, idealerweise mit etwas wirklich Gutem.

Eine Welt der Vielfalt

Gleichzeitig hat der Januar uns eine zweite Tür geöffnet: die Welt der alkoholfreien Alternativen. Früher schmeckten sie ungefähr so verführerisch wie ein nasser Korkzapfen, heute präsentieren sie sich äusserst raffiniert. Entalkoholisierte Weine, fermentierte Kreationen auf Teebasis oder kreative alkoholfreie Cocktails beweisen, dass Stil nicht zwangsläufig Promille braucht. Wer Gäste empfängt, kann problemlos beide Welten nebeneinanderstellen, ohne gleich als Moralapostel abgestempelt zu werden.

Gerade diese neue Selbstverständlichkeit verändert auch den gesamten Blick auf Genuss. Wein soll Freude machen, kein schlechtes Gewissen. Warum also nicht den Donnerstag alkoholfrei halten, den Samstag mit einem eleganten Pinot Noir krönen und am Sonntag zum Essen ein Glas spritzigen Riesling geniessen? Lebenskunst besteht aus Abwechslung, nicht aus Verboten. Selbst ambitionierte Sommeliers greifen zwischendurch zu einer Null-Prozent-Option – einfach, weil sie gut gemacht ist und schmeckt.

Entscheidend ist die Haltung und der gemeinsam zelebrierte Genuss. Ein Stück gereifter Käse, ein cremiges Risotto oder ein guter Braten können einem Glas Wein den grossen Auftritt verschaffen, während eine alkoholfreie Alternative den Alltag begleitet wie ein stilvoller Sidekick. So entsteht eine persönliche Genussdramaturgie, die Menschen am Tisch verbindet, in der niemand verzichten muss und man dennoch mit feinem Gespür Mass hält.

  • Masshalten mit Charme

    Der Februar darf also ein Monat der entspannten Experimente sein und natürlich auch gerne der Anfang von etwas Dauerhaftem. Vielleicht ein persönlicher «Balanced February»: zwei, drei Abende ohne Alkohol, dazwischen ein besonderer Wein, den man wirklich würdigt. Keine Verbote, keine Strichlisten, nur ein freundlicher Dialog mit den eigenen Vorlieben. Ein Ansatz, der sich problemlos auf das ganze Jahr übertragen lässt. Wer hätte gedacht, dass Masshalten so viel Charme haben kann?

Mit oder ohne Prozente

Am Ende hat uns der Dry January nichts genommen, sondern etwas Wertvolles geschenkt: ein frisch justiertes Gefühl für das richtige Mass. Jetzt dürfen wir wieder wählen, mit Stil, Aufmerksamkeit und jener Gelassenheit, die guten Genuss erst möglich macht. Ob mit oder ohne Prozente, entscheidend ist, dass das Glas von echter Freude erfüllt ist. Denn Genuss kennt viele Facetten und darf leise sein oder festlich, alltäglich oder besonders, solange er bewusst gelebt wird und einen Moment heller macht. Und wer nun nach Inspiration und Vielfalt sucht, findet in unserem Sortiment eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl für jeden Anlass und jede Stimmung.