Weine aus ökologischem Anbau sind so populär wie nie zuvor. Die Gründe dafür sind vielfältig – neben Umweltschutz und einem ausbalancierten Ökosystem steht die Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen bei diesem Wandel ebenso im Mittelpunkt wie die Herausarbeitung des individuellen Terroircharakters.
Bis in die 1950er-Jahre war es in der Landwirtschaft weltweit üblich, die "chemische Keule" im Kampf gegen Schädlinge und Unkraut einzusetzen, weil man damals noch wenig über die negativen Auswirkungen dieser Hilfsmittel wusste. In den folgenden Jahrzehnten ist der systematische Einsatz von Pestiziden und synthetischem Dünger zunehmend in die Kritik geraten und wird heute als unvereinbar mit nachhaltiger Landwirtschaft betrachtet. Weil sich also das Bewusstsein hinsichtlich Naturschutz sehr stark gewandelt hat, nehmen Bio-Weine längst nicht mehr nur einen winzigen Teil im Regal ein, sondern sind mittlerweile eine feste Marktgrösse mit breiter Akzeptanz in der Bevölkerung – und die Nachfrage wird immer grösser.
Denn nicht nur angesichts von Klimawandel, Naturkatastrophen und dem Verlust der Biodiversität ist nachhaltige Landwirtschaft und sorgsamer Umgang mit den Ressourcen ein höchst aktuelles Thema. Denn im Weinbau kann eine ökologische Arbeitsweise auch dazu beitragen, historische Kulturlandschaften zu erhalten, die Weinqualität zu verbessern und den individuellen Ausdruck des Terroirs zu verstärken. In nur wenigen Jahren hat sich die Anzahl ökologisch bewirtschafteter Weinberge deshalb vervielfacht, sodass in Deutschland bereits mehr als zwölf Prozent der Rebfläche nach biologischen Richtlinien bewirtschaftet werden und auch der Trend zur Biodynamie ungebrochen ist – Tendenz weiter steigend.
In Italien, Frankreich und Spanien ist der Anteil ökologisch bewirtschafteter Weinberge dank optimaler klimatischer Bedingungen mit geringen Niederschlägen und trockenen Winden sogar noch deutlich höher als bei uns, weil die Witterung vielen Fäulnis-Krankheiten gar keine Grundlage bietet. Noch liegen knapp neunzig Prozent der weltweit zertifizierten Bio-Weinbaufläche in Europa, aber auch auf allen übrigen Kontinenten ist der Trend zur Bio-Produktion deutlich erkennbar.
Für die immer grösser werdende Akzeptanz von Bio-Wein spielen insbesondere internationale Spitzenproduzenten wie beispielsweise Château Pontet-Canet, Planeta oder Château Beaucastel eine enorm wichtige Rolle. Denn mit ihren ökologisch produzierten Weltklasseweinen, die von Kritikern hoch bewertet und von Weingeniessern in aller Welt verehrt werden, unterstreichen sie nachdrücklich, dass Bio-Weinbau nicht nur der Ausdruck einer ideologischen Überzeugung ist, sondern vor allem dazu beiträgt, das einzigartige Terroir einer Region noch besser zur Geltung zu bringen.
Denn in naturgesunden Weinbergen, in denen wilde Kräuter und Gräser wachsen und neben Bienen und Schmetterlingen auch viele Mikroorganismen zuhause sind, ist die Interaktion zwischen dem Boden und den Rebstöcken besonders ausgeprägt und der Geschmack der Trauben besonders intensiv. Dadurch animieren sie auch viele andere Winzer dazu, die aufwändige Umstellung von konventionellem zu biologisch zertifiziertem Weinbau auf sich zu nehmen, für die nicht nur Wissen und Erfahrung, sondern auch viel Handarbeit und grosse Aufmerksamkeit im Weinberg erforderlich ist.