Wer Bordeaux, Burgund oder Barolo kauft, fragt fast automatisch nach dem Jahrgang. In der Champagne ist das anders: Hier gehört gerade die Verbindung verschiedener Ernten zur grossen Tradition. Soll ein Champagner über die Jahre hinweg die unverwechselbare Handschrift seines Produzenten bewahren – oder den Charakter eines einzigen Jahres zum Ausdruck bringen? Non-Vintage und Millésimé stehen für diese beiden Perspektiven.
Auch hinsichtlich der Reifezeit unterscheiden sich beide Kategorien. Non-Vintage-Champagner muss nach der Flaschenabfüllung mindestens 15 Monate im Keller verbleiben, ein Millésimé mindestens drei Jahre. Tatsächlich lassen viele Produzenten ihren Weinen deutlich mehr Zeit: Zwei bis drei Jahre sind bei Non-Vintage-Champagnern und vier bis zehn Jahre bei Jahrgangschampagnern durchaus üblich. Ein wesentlicher Teil dieser Zeit entfällt auf die Reifung auf der Hefe, während der sich der Wein kontinuierlich weiterentwickelt. Nach der zweiten Gärung sterben die Hefezellen ab und zersetzen sich langsam – die sogenannte Autolyse. Dabei freigesetzte Verbindungen beeinflussen Textur und Aromatik; gleichzeitig findet in der Flasche ein sehr langsamer Sauerstoffaustausch statt. Autolyse und langsame Oxidation prägen gemeinsam die weitere Entwicklung des Weins. Mit zunehmender Reife können sich beispielsweise Noten von Brioche, Gebäck, Trockenfrüchten, Nüssen oder Honig entwickeln. Die längere Reife vieler Millésimés trägt damit wesentlich zu ihrer Tiefe und Komplexität bei.