Von Mönchen bewahrt, von Terroir geprägt – die Wurzeln von Les Carmes
Alles begann im 16. Jahrhundert als im Jahr 1584 Jean de Pontac, Herr von Haut-Brion, der Ordensgemeinschaft der Karmeliter mehrere Hektar Wiesen und Weinberge schenkte. Der Orden pflegt eine streng enthaltsame und entsagende Lebensweise, zu dessen Aufgabe christliche Lebensberatung, geistliche Begleitung und Beten gehörten. Auch wenn Weinbau keine primäre Aufgabe des Ordens war, wachten sie fast zwei Jahrhunderte lang über das Terroir und stellten Wein her.
Seit 2010 wird neu gedacht – Qualitätspolitik im Dienste des Terroirs
Nach einigen Besitzerwechseln über die Jahrhunderte hinweg, erwarb schliesslich Patrice Pichet, Leiter einer französischen Immobiliengesellschaft das Anwesen im Jahr 2010 und erweiterte es um rund zwei Hektar. Seine Ambition ist es, dem Terroir die höchste Aufmerksamkeit zu schenken, um jenes anschliessend in die Flasche zu bringen. Die linke und rechte Hand in der ausführenden Produktion dieser Vision bilden Stéphane Derenoncourt und Guillaume Pouthier. Mit viel Ehrgeiz verfolgt man bereits im 4.7 Hektar kleinen Weinberg eine rigorose Qualitätspolitik. Die Landschaft ist zwar überaus steinig, jedoch kommen die kargen Böden den dicht gepflanzten Reben zugute, weil sie die Wärme des Tages optimal speichern, um sie in der Nacht langsam wieder an die Rebe abzugeben – die perfekte Voraussetzung für eine tiefe Wurzelbildung und gleichmässige Reifung der Trauben. Um den Böden gerecht zu werden und den Weinen mehr Komplexität zu verleihen, wurde auf den kiesig- sandigen Parzellen der würzige Cabernet Franc wieder neu angepflanzt. Heute nimmt er 39% der Fläche ein und wird vom charakterstarken Cabernet Sauvignon (20%) und dem füllig-fruchtigen Merlot (41%) ergänzt. Pferde pflügen zwischen den Parzellen die Wege, verdichten nicht zu stark und halten den Boden dadurch locker und lebendig. Die Bearbeitung der Rebstöcke findet ebenso wie die Ernte der Trauben in Handarbeit statt. Eine Vorselektion bei der Lese fördert die Einhaltung der hohen Qualitätsstandards – die gezielte Reduzierung der Erträge auf ein Minimum fördert zudem eine Konzentration der Trauben.
Keller und Philosophie – Handwerk und Kunst
Im neu errichteten Weinkeller liegt der Fokus auf Funktionalität und minimalistischer Weinbereitung. Auf der mittleren Ebene öffnet sich der Ernteempfang zum Bottichraum: hier werden die Trauben angenommen, bevor sie in der nächsten Stufe in temperaturgeregelten Edelstahl oder Betontanks gären und anschliessend in zu 70 bis 80 Prozent neuen französischen Barriques sowie zu 10 bis 20 Prozent in Amphoren reifen. Durch diese selektive Verarbeitung in unterschiedlichen Behältern, erweitert man die Palette der Komplexität im finalen Wein. Holz und Amphoren sorgen für eine atmungsaktive Reifung und eine präzise Frucht, während Stahl und Beton Frucht, Mineralität und Würze im Wein hervorbringen. Das Ziel bei Château Les Carmes Haut Brion ist es in jedem Jahrgang Kraft mit Finesse, Brillanz und Tiefe zu vereinen, damit hier vielschichtige und langlebige Weine in Ausnahmequalität entstehen.